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Nach Spuren der Stadtgeschichte

Die Stadt Neu-Pilsen (heute Pilsen) wurde im Jahre 1295 auf Befehl des böhmischen Königs Wenzel II. am Zusammenlauf der Flüsse Radbuza, Mze, Uhlava und Uslava gegründet. Von Anfang an war die Stadt an der Kreuzung der Landwege nach Nürnberg und Regensburg ein wichtiges Handelszentrum. Im 14. Jh. war Pilsen mit seinen 20 ha, 290 Häusern und 3000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Böhmens, nach Prag und Kuttenberg. Im 16. Jh. waren hier bedeutende italienische Baumeister tätig. In den Jahren 1599 – 1600 hat der römische Kaiser und böhmische König Rudolf II. die Stadt vorübergehend für seinen Sitz gewählt. In der Zeit des Ständeaufstandes wurde Pilsen belagert und im J. 1618 vom Heer des Grafes Mansfeld erobert. Am Ende des 17. Jhs.  hat sich in der Pilsener Architektur der Barockstil durchgesetzt, den v. a. der Baumeister Jakob Auguston und der Bildhauer Kristian Widman geprägt haben. Das heutige historische Stadtzentrum, das sich in bedeutendem Maße  mit dem Grundriss der ursprüglichen gotischen Stadt überschneidet, wurde im J. 1989 unter Denkmalschutz gestellt.

In der 1. Hälfte des 19. Jhs. kam es zum mächtigen Aufschwung der Stadt, im J. 1842 wurde die Bürgerbrauerei und zu derselben Zeit auch der Maschinenbaubetrieb Skoda gegründet. Heute leben in Pilsen 167 000 Einwohner,  die Stadt wurde zum Sitz der Westböhmischen Universität und des Bistums.

Historische Übersicht

X. Jahrhundert

976: die erste Nachricht über die Burg Pilsen
992: gründete der Bischof St. Vojtěch ein kleines Kloster und die Marienkirche, heute St. Georg-Kirche in Doubravka

XIII. Jahrhundert

1295: wurde im Auftrag vom König Wenzel II durch Jindřich die Stadt Neupilsen auf einer Fläche von ca. 20 ha mit Grundriss eines rechteckigen Netzes von 15 Straßen und Marktplatz gegründet

XIV. Jahrhundert

1307: die erste schriftliche Erwähnung über das Brauhaus in Pilsen, auf der Urkunde befindet sich der älteste bekannte Stadtsiegel
1320: ließ Johann Luxemburger die Stadtfläche neu vermessen (178 Hufen)
1328: die erste Erwähnung über die lateinische Stadtschule

XV. Jahrhundert

1411: schrieb Magister Johannes Hus den Pilsnern ein Schreiben, lobte ihr sittliches Verhalten und forderte sie zu ihrer weiteren festen Stellung auf
1414: vertrieben Stadtbürger unter der Leitung von Prediger Václav Koranda sen.  Angehörige des Ordners deutscher Ritter aus der Stadt
1419: brachte Václav Koranda im November in die Stadt einen Haufen von südwestlichen Hussiten mit Jan Žižka an der Spitze
1420: verließen im März Hussiten die Stadt und gingen nach Tábor. Pilsen neigte dauernd zu der römischen Seite
1421: belagerte Žižka zum ersten Mal und erfolglos Pilsen
1427: belagerten Hussiten die Stadt, weiter in den Jahren 1431 und 1433 – 1434
1434 am 19. September: – Zikmunds Goldene Bulle, die die Stadtbevölkerung von Königssteuer, Zoll, Maut und anderen Abgaben befreite
1449: wurde Pilsen zum Mitglied der „Protipoděbradská Gemeinde“ von Strakonice
1460: wurde der Große Teich in Bolevec gegründet
1466: verließen Pilsner den König Georg von Poděbrady
1466: Aufenthalt des Prager Domkapitols „Unter einem Gestalt“ in der Stadt bis 1478
1468: erkannten Pilsner Mathias von Ungarn als den böhmischen König an
1480: erwarben Pilsner das Stadtschulzengericht
1485-1486: wurde das erste tschechische Buch „Troja Chronik“ gedruckt

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XVI. Jahrhundert

1507: großer Brand, bei dem zwei Drittel der Stadt verbrannt wurden. Weitere Brände 1525, 1526, 1601, 1604, 1729, 1792, 1835
1546: die Stadt nach dem Tod von Matouš Švihovský, letzter Pfarrer des Ordners deutscher Ritter, erwarb das Patronatsrecht über der Pfarrerkirche
1578: beschloss der Stadtrat, dass kein Nichtkatholik zum hiesigen Stadtbürger werden darf, seit dieser Zeit war Pilsen immer eine treue katholische Stadt
1599: entfloh der Kaiser Rudolf II vor Pest nach Pilsen und blieb hier bis 1600. Die Stadt wurde zeitweilig zur Reichshauptstadt

XVII. Jahrhundert

1619:

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1633: verweilte bis Februar 1634 in der Stadt Albrecht von Wallenstein, er wurde am 25. Februar 1634 in Cheb ermordet
1635: Pest in Pilsen, weiter 1648, 1680, 1714; 1832 – Cholera
1681: wurde auf dem Marktplatz die Pestsäule erbaut, das erste öffentliche Barockbauwerk in der Stadt
1695: wurde Jan Sladký Kozina, Führer chodischer Rebellen in Pilsen hingerichtet, seine Leiche hing auf dem Galgen mehr als ein Jahr

XVIII. Jahrhundert

1714: wurde das Dominikanerkloster gegründet

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1776: wurde in Pilsen das Gymnasium errichtet
1779: erfolgte auf den städtischen Herrenhöfen die Bodenreform „Raabisierung“
1786: wohnten in der Stadt 5.246 Einwohner
1788: wurde in der Stadt das Magistrat errichtet

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1795: Anfang des Abreißens der Stadtmauern
1799: Durchgang des russischen Heers, der Alliierten Österreichs gegen Napoleon, 16. - 18. Dezember verweilte in der Stadt General Suworow

XIX. Jahrhundert

1804: wurde die Philosophische Anstalt errichtet

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1818: wurde in Pilsen die erste tschechische Theatervorstellung gespielt
1819: wurde die tschechische Trivialschule gegründet, die erste tschechische Schule in der Stadt
1827: wurde die Gerberei von D.L.Levit gegründet, die drittgrößte Gerberei in Böhmen
1832: wurde das erste Steintheater in Pilsen erbaut, das Krankenhaus wurde eröffnet
1835: Brand des Turms der St. Bartholomäus-Kirche

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1836 am 02. Februar: starb Prof. J.V.Sedláček, Repräsentant der ersten Aufklärungsgeneration in Pilsen
1840 – 43: studierte in Pilsen Bedřich Smetana
1842: begann das Bürgerliche Brauhaus mit Bierbräu
1849: wurde die Sächsische Brücke (jetzt die Roosevelter Brücke) wurde geöffnet
1856: am 11. Juli starb in Pilsen J.K.Tyl, er liegt auf dem Nikolausfriedhof begraben
1858: wurde Telegraphverbindung mit Marienbad eröffnet, Gasbeleuchtung auf dem Marktplatz und in den Hauptstraßen wurde errichtet
1853: wurde die Waldsteiner Maschinenfabrik gegründet, im Jahre 1869 von Emil Skoda gekauft
1859: der gesamte Marktplatz (der heutige Republikplatz) wurde mit Pflastern gepflastert
1861: am 18. Februar starb J.F.Smetana, Repräsentant der zweiten Generation der Pilsner Volksaufklärer
1861: wurde die Eisenbahnstrecke Pilsen – Furth im Wald eröffnet, weitere Eisenbahnstrecken 1862 Pilsen – Prag, 1868 nach České Budějovice und Wien, 1872 nach Cheb, 1873 nach Žatec, 1878 nach Železná Ruda
1866: zweimonatige Okkupation von preußischen Soldaten
1876: wurde die öffentliche Bibliothek der Königsstadt Pilsen gegründet

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1889: wurde das neue städtische Wasserwerk auf Homolka erbaut
1899: wurden das städtische Stromwerk und die Straßenbahn (Bory – Lochotin) errichtet, Erbauer Ing. Frantisek Krizik

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1899: wurden die Skoda Werke in die Aktiengesellschaft umgewandelt

XX. Jahrhundert

1902: wurde das neue Krankenhaus in Bory geöffnet
1902: wurde das neue Theatergebäude geöffnet, heute das J.K.Tyl-Theater
1906 am 4. Mai: starb František Schwarz, Repräsentant der dritten Volksaufklärergeneration in Pilsen
1917 am 25. Mai: katastrophale Explosion in der Munitionsfabrik in Bolevec, 300 Menschen wurden getötet
1917 am 14. August: wurde in Pilsen das Standrecht verkündet, in 14 Tagen wurde es aufgelöst
1918 am 21. Juni: das Schießen in Kinder in der Koterovská Straße, 6 Kinder wurden getötet
1918 am 28. Oktober: wurde die Tschechoslowakische Republik verkündet
1924: entstand Großes Pilsen durch den Anschluss der Gemeinden Doubravka, Doudlevce, Lobzy und Skvrňany. Nach diesem Anschluss hatte Pilsen 108.023 Einwohner
1938: durch die Konfiskation der Grenzgebiete von nazistischen Heeren wurde dem Deutschen Reich Litice in der Nähe von Pilsen angegliedert
1941: wurden Omnibusse in Betrieb genommen
1942: wurde in Pilsen das Magistrat errichtet, Pilsen wurden die Gemeinden Bolevec, Božkov, Bukovec, Černice, Hradiště, Koterov, Radobyčice, Újezd angegliedert
1942 – 1945: 11 Luftangriffe auf die Stadt, 926 Menschen wurden getötet, 6.777 Häuser wurden zerstört und beschädigt
1945 am 5. Mai: spontaner Aufstand der Pilsner Bevölkerung gegen die deutschen Okkupanten
1945 am 6. Mai: morgen kam die amerikanische Armee nach Pilsen, Pilsen wurde von Nazis befreit
1945: wurde in Pilsen die Medizinische Fakultät bei der Karlsuniversität errichtet
1948: wurde in Pilsen die Pädagogische Fakultät errichtet
1949: wurde in Pilsen die Hochschule für Maschinenbau und Elektrotechnik errichtet
1953 am 1. Juni: die Demonstration der Pilsner Bevölkerung gegen die Währungsreform und gegen das Regime, sie wurde von der Miliz und von der kommunistischen Macht unterdrückt. Das Denkmal Befreiung mit der T.G.Masaryk Statue wurde abgerissen
1957: begann Aufbau der Neubaugebiete in der Stadt (1957 Slovany, 1961 Doubravka, 1966 Bory, 1968 Slovany, 1974 Lochotín, 1989 Vinice)
1972: hat Pilsen 150.000 Einwohner
1976: wurde  die Verwaltungseinheit heutigen Pilsens gebildet. Nach verschiedenen Angliederungen und Trennungen der Gemeinden wurden endgültig weitere Orte angegliedert: Černice, Radobyčice, Koterov, Červený Hrádek, Křimice, Radčice (Litice schon 1970)
1985: wurde der erste Teil des neuen Universitätskrankenhauses in Lochotín geöffnet
1990: am 1. Juli hatte Pilsen 175.038 Einwohner
1991: wurde die Westböhmische Universität gegründet
1993: wurde der Bischofssitz 

Veröffentlicht: 12.4.2016, Martin Pecuch