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Loos-Interieure

 

Das Werk von Adolf Loos in Pilsen

Adolf Loos wirkte in Pilsen insgesamt in zwei Perioden zwischen den Jahren 1907 – 1910 und 1927 – 1932. Seine Klientel bildeten vor allem Unternehmerfamilien aus den Kreisen der Pilsner Juden. Diese lebten in der Umgebung der heutigen Klatovská-Třída-Straße – einem Stadtteil, der seiner Zeit eine Lokalität für luxuriöses Wohnen darstellte. Es handelte sich um einen geschlossenen Freundeskreis, für den das Loossche Design ein gewisses Prestige darstellte und in dem seine Arbeit untereinander weiterempfohlen wurde. Die jüdische Herkunft der Besitzer der Pilsner Loos-Interieurs schrieb sich in den späten 30er Jahren auf tragische Weise in die Schicksale der Familien ein, aber auch in die der Wohnungen, die sie verlassen mussten. Einige wurden in Ämter umgewandelt, andere wurden durch die späteren Mieter verwüstet. Erst in den letzten Jahren wurde das Werk von Adolf Loos rehabilitiert und schrittweise werden Rekonstruktionen verwirklicht, die diesen unikaten Inneneinrichtungen ihren alten Glanz zurückverleihen.

Heute werden dem Architekten Adolf Loos in Pilsen ungefähr 13 Realisierungen zugerechnet und davon sind bis in die heutige Zeit 8 erhalten geblieben. Drei von ihnen wurden teilweise oder vollständig rekonstruiert und weitere warten mit unterschiedlicher starker Beschädigung erst noch auf ihre Reparatur. Im Gegensatz zu anderen Orten, an denen Adolf Loos wirkte, erhielt er in Pilsen nie einen Auftrag für den Entwurf eines völlig neuen Hauses. Überwiegend handelte es sich um die Anpassung von Wohnungen gewöhnlicher Stadthäuser, die sich nicht vom üblichen Baustandard abhoben. Uneingeweihte Betrachter können deshalb nicht ahnen, dass sich in einigen Häusern echte Inneneinrichtungs-Perlen von Weltniveau verbergen.

  • Die Wohnung von Vilém und Gertruda Kraus (Bendova Straße 10)

Eines der schönsten Wohnungsinterieurs in Pilsen entwarf der weltbekannte Architekt Adolf Loos für die Bedürfnisse des Ingenieurs Vilém Kraus und seine Frau Gertrude in den Jahren 1930-1931. Die Familie jüdischen Ursprungs ereilte ein bewegendes Schicksal. Vilém reiste im Jahr 1993 nach England aus, um dort eine neue Lebensgrundlage für seine Familie zu schaffen. Seine Frau und seine Kinder schafften es jedoch nicht mehr zu emigrieren und kamen in Vernichtungslagern um.

Der wertvollste Teil ist der mit dem Esszimmer verbundene Salon mit Kamin. Die sich gegenüberliegenden Spielgelwände rufen einen Effekt unendlichen Raums hervor. Das Zimmer ist in grünem Cipollino Marmor gefliest, die Decke wird aus dunklen Mahagoniplatten gebildet. Der Gesamteindruck ist beinahe magisch. Interessant ausgestattet ist auch das erhaltene Schlafzimmer mit komfortablen Einbauschränken.

  • Die Wohnung des Arztes Josef Vogl (Klatovská Straße 12)

Die Wohnung des Arztes Vogl entwarf Adolf Loos in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in einem Haus in der Straße Klatovská třída 12. Das Haus gehörte ursprünglich der Familie von Emil Škoda. Eine der Wohnungen bewohnte später die Familie des Industriellen Otto Beck, für den Loos bereits im Jahr 1908 die Wohnungseinrichtung entwarf. Die Tochter Klára Becková wurde später Loos` dritte Ehefraus. Später erhielt die Wohnung der Arzt jüdischen Ursprungs Josef Vogl, für den Adolf wieder das gesamte Interieur auch mit Arztpraxis einrichtete.

Während der nationalsozialistischen Besetzung ging das Haus in deutsche Verwaltung über. In der ursprünglichen Wohnung von Doktor Vogl sind zwei Zimmer erhalten geblieben – der Salon mit Esszimmer und Einbaumöbeln, holzverkleideten Wänden oder Travertin-Fliesen im Esszimmer. Die Zimmer wurden nach der Renovierung mit originalgetreuen Repliken der ursprünglichen Möbel ausgestattet.

  • Das Haus der Brummels (Husova Straße 58)

Den Umbau des mehrgeschossigen Hauses und die Ausstattung seines Interieurs projektierte Adolf Loos für Jan und Jana Brummel in der Straße Husova třída 58, die Fertigstellung war im Jahr 1929. Das Gebäude überdauerte sowohl die massive Bombardierung der Škoda-Werke zum Ende des Zweiten Weltkrieges, wie auch die Bemühungen der Ämter um den Abriss des Hauses in den 80er Jahren der 20. Jahrhunders. Nach dem Krieg wurde das Haus den Familienangehörigen zurückgegeben. Der Privateigentümer, ein Verwandter des Bauherrn, restauriert das Haus liebevoll und plant, es im Rahmen der vorbereiteten Besichtigungsstrecken mit Beginn der touristischen Saison 2015 der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

  • Das Haus von Oskar und Jana Semler (Klatovská Straße 110)

Obwohl das berühmteste Loos-Element, das in vielen seiner Interieurs Anwendung findet, der sogenannte Raumplan ist, finden wir es in Pilsen nur in einer Inneneinrichtung. Sie wurde für Oskar und Jana Semler von Loos` Schüler und Mitarbeiter Heinrich Kulka entworfen und befindet sich in einer Villa in der Straße Klatovská třída 110. Der Raumplan beruht auf der unterschiedlichen Schichtung von Höhen in den einzelnen Zimmern. Das Interieur wird nun von der Westböhmischen Galerie in Pilsen verwaltet, die plant, nach seiner Restaurierung darin ein Dokumentationszentrum für das Studium der Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts in der Pilsner Region zu gründen. Die Innenausstattung soll auch der Öffentlichkeit teilweise zugänglich gemacht werden.

  • Die Wohnung von Hugo Semler (Klatovská Straße 19)

In der weitläufigen Wohnung des Unternehmers Hugo Semler sind bis zum heutigen Tage im ersten Geschoss seines Hauses in der Straße Klatovská třída 19 das Esszimmer, der Salon und der kleine Musiksalon aus der Zeit 1931 – 33 erhalten geblieben. Gerade der kleine Musiksalon ist nachweislich Loos`s Arbeit, die weiteren zwei Zimmer wurden im Loos-Stil gestaltet. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Inneneinrichtung vom Militärkommandanten der Stadt Pilsen Georg von Majewski, der sich hier nach der Kapitulation im Mai 1945 erschoss, als Arbeitszimmer genutzt. Von Kriegsende bis zum Jahr 1993 wurde das Haus einschließlich Ausstattung von Adolf Loos vom Militär genutzt. Bis jetzt wartet das Haus mit dem Interieur von Loos auf die Restaurierung und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. 

  • Das Appartement von Richard Hirsch (Plachého Straße 6)

Als erste in Pilsen konnten sich die Eheleute Martha und Wilhelm Hirsch mit ihrer Wohnung „von Loos“ brüsten. Die Innenausstattung ihrer Wohnung in der Straße Plachého 6 schlug er im Jahr 1907 vor. Dieses Interieur ist nicht mehr vorhanden, aber im zweiten Stock des gleichen Hauses sind bis heute Fragmente eines Appartements erhalten geblieben, das Adolf Loos im Jahr 1927 für ihren Sohn Richard entworfen hatte. Es handelt sich um ein Schlafzimmer mit Einbauschränken. Die sonstige Wohnungseinrichtung einschließlich der Wandfliesen wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts aus der Wohnung fortgeschafft und ist bis heute Bestandteil der privaten Adolf-Loos-Galerie in Prag. Dieses Loos-Interieur ist der Öffentlichkeit gegenwärtig nur zu besonderen Anlässen zugänglich.

  • Das Haus der Weiners (Platz der Republik 22)

Die Inneneinrichtung ist in privater Hand, der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

  • Die Wohnung von Leo und Gertruda Brummel (Klatovská Straße 140)

Die Inneneinrichtung ist in privater Hand, der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

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