Sagen

 

Gründung Neuen Pilsens

Nach einigen Tagen begannen die Bürger, die Stadt zu vermessen und zu gründen.

Als Schiebl die Sagen über die Gründung Neuen Pilsens sammelte, fand er im Archiv des Nationalmuseums in Prag eine seltene Handschrift von Kaspar Ladislav Stehlik (1571 – 1611). Die Handschrift enthielt eine Aufzeichnung nach der Erzählung des Pilsner Bürgers Jakub Stehlik, geboren im Jahre 1480, der über die Gründung Neuen Pilsens von seinem Vater Bartolomej und von seiner Großmutter Marketa hörte. Bevor Jakub Stehlik im Jahre 1585 im Alter 105 Jahre starb, schrieb Kaspar Ladislav Stehlik seine Erzählung wie folgt:

Als in Altem Pilsen, das jetzt Pilsen heißt, die Bürger rieten, wie man die Stadt erweitern könnte, fanden sie keine Lösung, denn die Stadt lag unter Hügeln und Unebenheiten und sie mussten auf die Erweiterung verzichten.

Einmal saßen im Gefängnis zwei Personen; man weiß heute nicht mehr, wie sie dorthin gerieten. Diese zwei männlichen Personen sagten den Bürgern der Stadt, dass sie ihnen eine Stelle zeigen wollen, wo sie die Stadt bauen können. Die Bürger Alten Pilsens stimmten zu und führten sie in Fesseln zu der Stelle. Sie kamen zu der kleinen St.-Barbara-Kirche. Aus der Kirche ist jetzt eine Kappelle im Barfüßlerkloster im Kreuzgang. Nicht weit von der Kirche befand sich eine Schenke. Hier steht das Hevernikuv Haus (Haus Nummer 115 in der heutigen Zbrojnicka Straße) und führt hier eine Straße.

Als sie alle zu dieser Stelle kamen, sagten die zwei Personen den Bürgern, dass sie hier eine Stadt gründen. Sie sagten der Stadt vorher, dass sie einen guten Ruf haben wird, vielen Nationen bekannt wird und dass der Gott die Bewohner dieser Stadt immer schützt. Dann verschwanden sie beide, die Fesseln waren nicht mehr zu sehen.

Nach einigen Tagen begannen die Bürger, die Stadt zu vermessen und zu gründen.

An dieser Stelle befanden sich Aue, Gebüsch, Erlen, auch Felsen waren hier zu sehen. Sie nannten die Stadt Neues Pilsen, denn Altes Pilsen gab es schon. Die Stadt Neues Pilsen wurde dann viel größer als Altes Pilsen, deshalb nannte man Altes Pilsen Plzenec wie kleines Pilsen. So heißt diese Stadt bis heute. Vor dem Baubeginn der neuen Stadt kamen an der Stelle viele Schnecken vor (auf Tschechisch Schnecke = plz – Plzen) ebenso wie bei Plzenec, Pilsen, beim Hof von Radous.


Im Jahre 1995 erschien in der Pilsner Verlagsbuchhandlung Vesely das Buch „Goldenes Buch der Pilsner Sagen“ von Vladimir Havlic. Dieses Buch entstand nach der Schiebls Sammlung „Pilsen in Sagen, Legenden, Traditionen und Necken“. Die Publikation erschien unter finanzieller Unterstützung der Sparkasse Ceska sporitelna a.s., Filiale Pilsen anlässlich des 700. Jahrestages der Gründung der Stadt Pilsen.

Veröffentlicht: 16.9.2013, Martin Pecuch